Nur aus dem Herzen kannst Du den Himmel berühren. – Rumi
Bericht von der Drehtanz-Darbietung am 21.6.2026
„Kaum kann ich Worte finden um zu beschreiben, was mir diese Veranstaltung bedeutet und was wir erleben durften. Vielleicht kann ich Wesentliches vermitteln, indem ich mitteile, was mich dazu bewegt hat, so einen Anlass ins Leben zu rufen.
Zunächst ist es diese immer wieder kehrende Erfahrung, dass ich in eine schöne, mich erhebende Kirche trete, und vor meinem inneren Auge sehe, wie Menschen hier Drehtanzbeten. Sie sitzen nicht in sich versunken auf Bänken. Nein, entfachten Herzens tanzen sie förmlich dem Himmel entgegen. Denn die Musik ist berührend und das innere Gebet – wie es auch lauten mag, darf Verkörperung finden. In allen Nuancen der Liebe darf die aufrichtige und in geistig feiner Ausrichtung stattfindende Darbringung schillern. Die Tanzgebete gleichen Liebesgedichten. Und das ineinander weben der inneren Dialoge webt ein Feld: Ein Ort der Zuflucht ist gegeben. Eine Auftankstation für die Seele. Ein Nährboden für noble Inspiration, Kraft und die edlen Tugenden in uns.
Außerdem forsche ich seit einigen Jahren ganz bewusst, wie wir den Funken wahrhaftiger Begeisterung vom Einen zum Anderen überspringen lassen können; innerhalb der Tanzgruppe, den Anwesenden und auf das entstehende Feld.
Bei der Abdankung meines lieben Onkels habe ich mich gefragt, was ich mir für meine Beerdigung wünschen würde. Natürlich war die Antwort in der großen Kirche, die viel Freiraum liess, naheliegend. Ich sah vor meinem inneren Auge ins Gebet versunkene Drehtanzende. Als ich das der Tanzgruppe erzählte sagte eine nicht mehr ganz junge Dame: „dann lass uns nicht warten, bis wir alt und klapprig sind, sondern lieber jetzt schon beginnen.“
Wir haben wir in Hinwendung zum Himmel gefeiert. Bunt in seiner Art. In der sich Anfang und Ende treffen konnten. Eine Art Beerdigung dessen, was gehen darf und eine Art Vermählung mit den uns innewohnenden höchsten Werten. Eine Hochzeit, wie ich die innere Widmung oder die Unio Mystica manchmal bezeichne; jedenfalls ein ausgedehntes Drehtanzgebet in großer Gruppe.
Etwas wurde geboren. Etwas meinem Empfinden nach ganz Neues. Etwas, nach dem ich mich seit vielen Jahren sehne. Ein beflügelndes Fest, welchem alle Menschen auf ihre eigene Art beiwohnen können, sitzend, tanzend, mit geschlossenen oder offenen Augen, schauend, lauschend, meditierend, betend, still, mitsingend oder mittanzend. Zaungäste und gänzlich vom Herzfeuer tanzend Durchdrungene, und alles dazwischen. 17 Drehtanzende und vier Musiker waren dabei, und ein großes Publikum, was gerade noch gut in den edlen Kirchenraum gepasst hat.
Wir haben in mehreren vorangehenden Treffen begonnen zu forschen, wie wir uns im Drehtanz tänzerisch synchronisieren können und haben ein eigenes Repertoire entwickelt. Gemeinsam mit den Musikern konnten wir eine Abfolge innerhalb von Raum und Zeit Form annehmen lassen. Ein Tag vor der Veranstaltung und mit immerhin der Hälfte der ehrenamtlich involvierten Musiker. Da die in Indien in Auftrag gegebenen Kostüme diesemal nicht rechtzeitig ankamen, sprang eine liebe Freundin ein und nähte uns von heute auf morgen fehlende Röcke. Eine liebe Helferin hat mir meinen Rocksaum bis 15 Minuten vor der Darbietung vollständig neu vernähen können, da es dessen bedurfte und die Nacht davor zu kurz war. Es gelang uns, inklusive Handblatt und Catering, alles haargenau auf den Begin der Premiere hin fertigzustellen.
Wir genossen ein fabelhaftes Team und einen ausgezeichneten Flow. Aufgaben und Rollen waren verteilt und alles ging wunderbar rund. Der kleine Tanzbeitrag eines ausgesandten himmelwärts Trios im Gottesdienst vom Verenamünster fand unmittelbar vor unserer Veranstaltung in der Oberen Kirche statt und war ein Erfolg. Nun mündeten wir allesamt, Tänzer wie Gäste – in diese einzigartige Erfahrung des allerersten Drehtanzgebetes in dieser Form.
Vom rituellen Eröffnen bis zum Kulminationspunkt des Sonnengesangs, eine Eigenkomposition von Wolfgang Obrecht aus München, welcher die musikalische Leitung inne hatte, zu dem wir gen Ende alle Anwesenden einluden, mit uns im Reigen zu tanzen, haben wir individuell und als Gruppe unbeschreiblich vieles erlebt! Als wären wir durch Galaxien gereist. Mein Solo beispielsweise überraschte mich mit einem ganz anders als erwarteten und sehr berührenden Kontent! Das Tanzgebet entsteht Ex Tempore und ist damit nicht vorab einstudiert. Ich war so dankbar und habe mich so sehr gefreut, dass auch die Tanzschüler:innen, die noch gar nicht lange dabei sind, ausdauernd mitdrehen konnten, viel Schönes erleben durften und das alle, auch nach über 1,5 Stunden Drehtanz, noch auf ihren Beinen stehen und tanzen konnten! Ja es ging ihnen sichtlich gut.
Eine Publikumsstimme erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit, da sie für mich etwas zum Ausdruck brachte, was ich mir beinahe unbewusst gewünscht habe. Sie klang etwa so: „Es entzog sich mir die Wahlmöglichkeit, nicht mit in die Freude die im Raum war einzutauchen. Und das ging allen Anwesenden gleich. Ich habe mich umgeschaut. Keiner konnte sich der aufrichtigen Begeisterung entziehen oder widersetzen.“
Ein weiteres Highlight für mich war, dass eine beinahe blinde Dame aus dem Publikum im letzten Teil der Darbietung, zu dem alle eingeladen waren mit einzustimmen, an meiner Seite tanzte. In atemberaubendem Vertrauen. Als wir später gemeinsam das feine Essen vom Barkat Catering genossen, waren wir beide zu Tränen berührt, als ihre Geschichte und die meine sich in den zum Segen für diesen Anlass gesandten Worten meines indischen Lehrers Maharaji trafen: „You are a beloved soul of god. Dance only for him and forget everything else. You will see, that blind will dance, and blind will see.“
Ich muss gestehen, dass das Vorbereiten und Organisieren, welches ein Jahr vorab begann, mich sehr viel Kraft gekostet hat. Soviel, dass ich mir wünsche, dass jemand die Organisation für weitere Veranstaltungen dieser Natur übernehmen möge; gerne auch erneut für eine Darbietung in der Oberen Kirche in Bad Zurzach, für die alle Weichen bereits gestellt sind.
Wir haben für das kommende Jahr mehrfach Einladungen, in verschiedenen Gotteshäusern, in unterschiedlicher Gruppengröße und zu jeweils ganz einzigartigen Anlässen zu tanzbeten, was mein Herz sehr beschwingt. Für mich liegt ein starker Ruf in himmelwärts. Mir scheint es an der Zeit, dass wir uns zusammenfinden, in lebendiger geistiger Verbundenheit, uns die Hände reichen – auch von einer spirituellen Gruppe zur anderen –, uns im Wesentlichen einen, Kräfte bündeln und durch unser Zusammenkommen potenzieren. Mit und durch unsere individuelle Praxis wie auch unser gemeinschaftliches Engagement können wir positive Impulse setzen in und für unsere heutige Welt: für uns selbst, den/die Nächste/n und das Kollektiv.“. Paramjyoti
„Komm, komm, wer auch immer Du bist, ….“ – Rumi
Vom 7.-9.5.2027 werden wir in der Dreifaltigkeitskirche in Konstanz tanzbeten! Die Einträge dafür werden bald im Kalender zu finden sein. Dort findest Du auch weitere Möglichkeiten, unseren Tanzgebeten beizuwohnen zu können. Es wird sogar eine Einführung in den Drehtanz geben und die Möglichkeit, am Sonntag mit ins Tanzgebet einzustimmen!
Am Liebsten würdest Du schon früher mittanzen? Melde Dich bei uns!
Photographie: Max Herlitschka
